Javanese: Charakter, Steckbrief & Haltung
Die elegante „Mandarin“ – Orientalischer Luxus in Seide
Die Javanese ist die perfekte Symbiose aus orientalischer Extravaganz und sanfter Eleganz. Oft als „Mandarin“ oder „Orientalisch Langhaar“ bezeichnet, ist sie die halblanghaarige Schwester der Orientalisch Kurzhaar. Sie verkörpert den schlanken, grazilen Typ der Siamkatze, hüllt diesen jedoch in ein seidiges, fließendes Haarkleid ohne störende Unterwolle. Wer eine Javanese adoptiert, bekommt nicht nur eine bildschöne Katze, sondern eine hochintelligente, kommunikative Persönlichkeit, die das Leben ihrer Menschen mit Energie, Liebe und einer Prise Eigensinn bereichert.
Herkunft und Geschichte: Ein glückliches Nebenprodukt
Die Geschichte der Javanese ist eng mit der Zucht der Balinesen und Siamesen in den USA verknüpft. Während die Balinese die langhaarige Variante der Siam (mit Point-Abzeichen) darstellt, entstand der Wunsch, auch die einfarbigen und gemusterten Orientalen mit langem Fell zu züchten. Die Javanese war in diesem Sinne zunächst ein „Nebenprodukt“ der Bemühungen, den orientalischen Typ zu diversifizieren.
In den 1970er Jahren begannen Züchter in Nordamerika, diese Katzen als eigenständige Gruppe zu etablieren. 1979 erfolgte die offizielle Anerkennung durch die CFA. In Europa wird sie oft unter dem Namen „Orientalisch Langhaar“ (OLH) geführt, während der Name Javanese – angelehnt an die Insel Java, in Nachbarschaft zu Bali – vor allem im US-amerikanischen Raum ihre exotische Aura betont. Trotz ihres Namens hat sie keine direkten Wurzeln in Indonesien, sondern ist ein reines Ergebnis moderner, westlicher Zuchtkunst, die den orientalischen Geist perfekt eingefangen hat.
Erscheinungsbild: Die Grazie des Windhundes
Die Javanese ist eine mittelgroße Katze von extremer Schlankheit. Ihr Körper ist lang gestreckt und grazil, doch unter dem feinen Fell verbirgt sich eine harte, sehnige Muskulatur. Ein markantes Merkmal ist die Beinlänge: Da die Hinterbeine etwas länger sind als die Vorderbeine, steigt die Rückenlinie sanft nach hinten an, was ihr eine ständig sprungbereite, dynamische Haltung verleiht.
Der Kopf ist ein Paradebeispiel orientalischer Zucht: keilförmig, mit absolut geradlinigem Profil und sehr großen, spitzen Ohren, die die Linien des Keils fortsetzen. Die mandelförmigen Augen stehen leicht schräg und leuchten bei den meisten Farbschlägen in einem intensiven Smaragdgrün, während die weißen Varianten oft tiefblaue Augen besitzen. Das Fell ist halblang, extrem seidig und liegt flach am Körper an, da die isolierende Unterwolle völlig fehlt. Besonders elegant wirkt der lange, dünne Schwanz, der in einem prachtvollen Fellbüschel („Plume“) endet.
Wesen & Charakter: Ein Herz, das Aufmerksamkeit atmet
Die Javanese ist keine Katze für Menschen, die nach Stille suchen. Sie ist eine „Sprecherin“, die aktiv am Leben teilnimmt und jeden Schritt ihrer Besitzer kommentiert.
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🗣️
Mitteilsam: Sie nutzt ihre Stimme gezielt, um Wünsche und Stimmungen auszudrücken. -
🧠
Hochelligent: Sie braucht geistige Beschäftigung und lernt oft das Apportieren. -
🎭
Sensibel: Sie reagiert empfindlich auf Ignoranz und kann regelrecht „beleidigt“ sein. -
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Anhänglich: Sie fixiert sich stark auf ihre Menschen und sucht ständigen Körperkontakt.
Haltung & Pflege: Gesellschaft als Grundbedürfnis
Eine Javanese allein zu halten, grenzt an Tierquälerei. Diese Rasse ist extrem sozial und gesellig. Wer viel arbeitet, muss zwingend für einen Artgenossen sorgen. Idealerweise sollte dies eine zweite Javanese oder Balinese sein, da orientalische Katzen ein sehr körperbetontes Sozialverhalten zeigen: Sie stapeln sich gerne beim Schlafen und putzen sich stundenlang gegenseitig – ein Verhalten, das ruhigere Rassen oft überfordert.
In der Haltung ist sie eine ideale Wohnungskatze, sofern sie genug „dreidimensionale“ Klettermöglichkeiten hat. Ein hoher Kratzbaum und Platz zum Toben sind Pflicht. Die Fellpflege ist trotz der Haarlänge erstaunlich unkompliziert. Da keine Unterwolle vorhanden ist, verfilzt das seidige Haar kaum. Einmal wöchentliches Bürsten reicht aus, um den Glanz zu erhalten. Viel wichtiger als die Bürste ist jedoch die gemeinsame Zeit: Die Javanese möchte in alles einbezogen werden, sei es das Zeitunglesen oder das Kochen. Wer ihr diese Aufmerksamkeit schenkt, bekommt eine Gefährtin, die mit einer Lebenserwartung von bis zu 20 Jahren fast ein Viertel eines Menschenlebens treu an der Seite bleibt.
Gesundheit & Vitalität
Die Javanese gilt als eine der robustesten orientalischen Rassen. Da sie eng mit der Siamkatze verwandt ist, profitiert sie von deren Langlebigkeit, kann aber auch einige rassetypische Veranlagungen teilen. Rassespezifische Krankheiten sind kaum bekannt, doch wie bei allen Orientalen sollte auf Herzgesundheit (HCM) und Nierenwerte geachtet werden. Eine hochwertige, proteinreiche Ernährung ist essenziell, um ihre schlanke Muskelmasse ohne Fettansatz zu erhalten. Da sie extrem aktiv ist, verbrennt sie viel Energie. Bei guter Pflege und regelmäßiger Vorsorge ist sie eine extrem langlebige Begleiterin, die nicht selten ihren 20. Geburtstag feiert.
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